Mohammad-Hadi Ja’farpour

Iran

IRAN: Willkürliche Inhaftierung des Anwalts und Menschenrechtsverteidigers Mohammad-Hadi Ja’farpour

 28 Januar 2026

 

Das Internationale Observatorium für bedrohte Anwälte (OIAD) bringt seine tiefe Besorgnis über die willkürliche Inhaftierung von Rechtsanwalt Mohammad-Hadi Ja’farpour zum Ausdruck, einem Anwalt und Menschenrechtsverteidiger sowie Mitglied der Rechtsanwaltskammer der Provinz Fars im Iran. Seine Festnahme und die anschließende Behandlung spiegeln eine alarmierende Eskalation der Repression gegen unabhängige Anwälte wider, vor dem Hintergrund landesweiter Proteste und einer verschärften Unterdrückung der Zivilgesellschaft durch die Behörden.

Rechtsanwalt Ja’farpour, praktizierender Anwalt und Mitglied der Menschenrechtskommission der Rechtsanwaltskammer von Fars, wurde am Sonntag, dem 28. Dey 1404 (18. Januar 2026), in seiner privaten Wohnung in Shiraz von Sicherheitskräften festgenommen. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.

Seit seiner Festnahme war es Rechtsanwalt Ja’farpour lediglich gestattet, ein einziges Telefonat mit seiner Familie zu führen, in dessen Verlauf er mitteilte, dass er in das Adel-Abad-Gefängnis in Shiraz verlegt worden sei. Weitere Informationen über seine Situation oder die rechtliche Grundlage seiner Inhaftierung wurden nicht bekannt gegeben. Angesichts zahlreicher dokumentierter Berichte über Folter sowie grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung in mehreren iranischen[1] Haftanstalten äußert das Observatorium ernsthafte Bedenken hinsichtlich seines Gesundheitszustands und der Haftbedingungen, denen er ausgesetzt sein könnte.

Das Observatorium ist insbesondere beunruhigt über Berichte, wonach der Ermittlungsrichter trotz wiederholter Versuche mehrerer Anwälte, ihn offiziell zu vertreten, die Annahme der Vollmachten im Verfahren gegen Rechtsanwalt Ja’farpour verweigert hat. Diese Weigerung stellt eine schwerwiegende Verletzung des Rechts auf Verteidigung dar und wirft ernsthafte Zweifel an der Fairness und Rechtmäßigkeit des Verfahrens auf.

Bis zum heutigen Zeitpunkt haben die Behörden weder die gegen Rechtsanwalt Ja’farpour erhobenen Vorwürfe noch die Gründe für seine Festnahme offengelegt. Ihm wurde der wirksame Zugang zu einem Anwalt seiner Wahl verweigert, und er wird unter Bedingungen festgehalten, die einer Inhaftierung in Geheim- bzw. Isolationshaft gleichkommen.

Derartige Praktiken verstoßen gegen die Verpflichtungen Irans aus dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR), insbesondere gegen die Artikel 9 und 14, die das Recht auf Freiheit, den Schutz vor willkürlicher Inhaftierung sowie das Recht auf ein faires Verfahren, einschließlich des Zugangs zu rechtlicher Vertretung, garantieren.

Rechtsanwalt Ja’farpour ist bekannt für sein berufliches Engagement zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte, sowohl durch seine anwaltliche Tätigkeit als auch als Mitglied der Menschenrechtskommission der Rechtsanwaltskammer von Fars. Das Observatorium befürchtet, dass seine Festnahme eine Vergeltungsmaßnahme für seine legitimen professionellen und menschenrechtlichen Aktivitäten darstellt und Teil eines umfassenderen Musters der Einschüchterung und Kriminalisierung von Anwälten ist, die sich für Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit im Iran einsetzen.

Im Kontext der anhaltenden Proteste versuchen die iranischen Behörden zunehmend, den Zugang zur Justiz zu behindern, indem sie Anwälte gezielt ins Visier nehmen, ihnen das Recht verweigern, Inhaftierte zu vertreten, und sie auf der Grundlage vager und nicht offengelegter Vorwürfe willkürlich festnehmen. Diese Praktiken, die darauf abzielen, die juristische Verteidigung zum Schweigen zu bringen und den effektiven Zugang zur Justiz zu untergraben, sind kein neues Phänomen, wie der jüngste Bericht No Defence: The Status of Lawyers and the Bar Associations in Iran zeigt.

Das Observatorium verurteilt aufs Schärfste die willkürliche Inhaftierung von Herrn Mohammad-Hadi Ja’farpour sowie die Weigerung der Behörden, ihm den Zugang zu einem Anwalt zu gewähren.

Das Observatorium erinnert an Artikel 16 der Grundprinzipien der Vereinten Nationen betreffend die Rolle der Rechtsanwälte (Havanna-Prinzipien) und fordert die iranischen Behörden auf:

  • Rechtsanwalt Mohammad-Hadi Ja’farpour unverzüglich und bedingungslos freizulassen;
  • Die rechtliche Grundlage seiner Festnahme sowie die gegen ihn erhobenen Vorwürfe unverzüglich offenzulegen;
  • Seine körperliche und psychische Unversehrtheit zu gewährleisten und ihn vor jeglicher Misshandlung zu schützen;
  • Ihm unverzüglich und vertraulich Zugang zu einem Anwalt seiner Wahl zu gewähren und den Anwälten zu ermöglichen, ihr Mandat in seinem Fall frei auszuüben;
  • Regelmäßige Kommunikation mit seiner Familie sicherzustellen;
  • Zu gewährleisten, dass jedes gerichtliche Verfahren in vollem Umfang den internationalen Standards eines fairen Verfahrens sowie der Unschuldsvermutung entspricht;
  • Der Belästigung, Einschüchterung und Verfolgung von Anwälten sowie Menschenrechtsverteidigern im Iran ein Ende zu setzen.

Das Observatorium ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf:

  • Den Fall von Rechtsanwalt Ja’farpour dringend gegenüber den iranischen Behörden zur Sprache zu bringen;
  • Seine Situation aufmerksam zu verfolgen und die Verletzungen der Rechte von Anwälten im Iran öffentlich zu verurteilen;
  • Bedrohten iranischen Anwälten sowie Menschenrechtsverteidigern Schutz und Solidarität zu gewähren.

 

[1] Amnesty International. (18. Oktober 2022). Iran: Inhaftierte Gefangene im Evin-Gefängnis, die gefoltert wurden, benötigen dringend internationalen Schutz: https://www.amnesty.org/en/wp-content/uploads/2022/10/MDE1361292022ENGLISH.pdf

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