17. April 2026
Das OIAD verurteilt aufs Schärfste das Attentat auf Herrn Ronel Telsyde, Präsident der Fédération des Barreaux d’Haïti (FBH), am Nachmittag des 13. April 2026 in Cap-Haïtien.
Nach den vorliegenden Informationen war Herr Ronel Telsyde Ziel eines bewaffneten Angriffs, bei dem er von mehreren Kugeln getroffen wurde. Telsyde ist eine herausragende Persönlichkeit der haitianischen Anwaltschaft. Er ist derzeit Präsident der FBH und war zudem zwischen 2023 und 2025 Präsident der Anwaltskammer von Cap-Haïtien.
Dieser äußerst schwere Angriff, der sich gegen einen hochrangigen Vertreter der Anwaltschaft in Haiti richtet, stellt eine Drohbotschaft an alle Anwälte dar und dürfte eine abschreckende Wirkung auf die unabhängige Ausübung ihres Berufs haben. Die dem OIAD zur Kenntnis gebrachten Informationen erfolgen vor dem Hintergrund einer besorgniserregenden Verschlechterung der Sicherheitslage in Haiti, die durch eine zunehmende Verwundbarkeit der im Justizsystem Tätigen gekennzeichnet ist.
Das Observatorium verurteilt diesen Angriff nachdrücklich und erinnert daran, dass er eine schwerwiegende Verletzung des Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit darstellt, die durch den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Artikel 6) garantiert sind.
Das Observatorium fordert die haitianischen Behörden auf, eine umfassende, unabhängige und unparteiische Untersuchung durchzuführen, um die Täter dieses Attentats zu identifizieren und diesen Vorfall vollständig aufzuklären.
Das Observatorium erinnert daran, dass die Staaten gemäß den Havanna-Grundsätzen über die Rolle der Rechtsanwälte (Artikel 16 und 17) verpflichtet sind, den Schutz von Anwältinnen und Anwälten bei der Ausübung ihrer Tätigkeit zu gewährleisten.