AFGHANISTAN: Pressemitteilung von Observatorium

AFGHANISTAN: Pressemitteilung von Observatorium

EIN JAHR NACH DEM FALL VON KABUL, FOLGEN FÜR DEN ANWALTSBERUF

Der plötzliche Fall Kabuls in die Hände der Taliban am 15. August 2021 und die Wiedereinsetzung der Taliban-Regierung setzten 20 Jahren sozialer Entwicklung und dem Aufbau der Rechtsstaatlichkeit ein Ende. Dies führte dazu, dass Tausende Menschen aus Afghanistan flohen, darunter viele Rechtsanwälte, Richter und Staatsanwälte.  Viele von ihnen befinden sich derzeit in Pakistan, im Iran oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten und warten darauf, ein Aufnahmeland zu finden. Ihre Lebensbedingungen sind besonders schwierig und die Wartezeiten auf die Prüfung ihres Visumsantrags werden immer länger.

Eine der ersten Entscheidungen des neuen Justizministeriums der Taliban bestand darin, dass alle afghanischen Anwälte eine vom Ministerium ausgestellte Lizenz benötigen, um weiterhin praktizieren zu können. Am 23. November 2021 übernahm eine Gruppe bewaffneter Taliban im Auftrag der Regierung die Kontrolle über die Unabhängige Anwaltskammer Afghanistans (AIBA). Dadurch erhielten die Taliban Zugang zur Datenbank der AIBA, die detaillierte persönliche Informationen über die Familien und Mandanten der Anwälte enthielt, und setzten diese Anwälte der ernsthaften Gefahr von Vergeltungsmaßnahmen aus.

Das Internationale Observatorium für bedrohte Anwälte (OIAD) startet eine Unterstützungs- und Advocacy-Kampagne, um ihre Bereitschaft zu bezeugen, weiterhin eine unabhängige Anwaltskammer in Afghanistan und unsere afghanischen Kollegen zu unterstützen, unabhängig davon, ob sie sich in Afghanistan oder im Exil befinden.

Das Observatorium verurteilt entschieden alle Repressalien und Schikanen gegen afghanische Anwälte bei der Ausübung ihres Berufs und ruft die Behörden der Staaten, die im Rahmen von Visaanträgen um Hilfe gebeten werden, dazu auf, die Realität der Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind, zu berücksichtigen.

Lesen Sie die Pressemitteilung (pdf). 

Lesen Sie die Pressemitteilung (Dari). 

 

Zusätzliche Informationen:

Dase Observatorium lädt Sie ein, ihre Broschüre über die Lage der Rechtsanwälte in Afghanistan zu lesen, die auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch erhältlich ist. Verpassen Sie nicht die Videoaussagen afghanischer Anwälte: Hakima Alizada, Rohullah Qarizada und andere Kollegen, die ihre Identität aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben möchten.

Kontakt: [email protected]

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Wer sind wir?

Das Internationale Observatorium für bedrohte Anwälte (OIAD) ist eine Initiative des Conseil national des barreaux français, des Consiglio Nazionale Forense, des Consejo General de la Abogacía Española und der Anwaltskammer von Paris. OIAD wurde 2016 ins Leben gerufen und soll Anwälte verteidigen, die im Rahmen ihres Berufs bedroht werden, und Situationen aufdecken, die die Rechte der Verteidigung verletzen.